Ratgeber / Fugen erneuern: wann es wirklich nötig ist
Fugen erneuern: wann es wirklich nötig ist
Wer eine Klinkerfassade hat, hört irgendwann den Satz: „Die Fugen müssen mal neu.“ Aber wann stimmt das? Vier Prüfungen, die Sie selbst machen können – ohne Werkzeug und ohne Fachkenntnisse.

Wir werden fast täglich gefragt, ob eine Fassade neu verfugt werden muss. Die ehrliche Antwort: In etwa der Hälfte der Fälle reicht eine Reinigung. In der anderen Hälfte ist es ernst – und zwar aus einem Grund, der nichts mit Optik zu tun hat.
Eine Fuge hat zwei Aufgaben. Sie hält die Steine in Position und sie dichtet die Wand ab. Solange nur die Optik leidet, können Sie warten. Sobald die Abdichtung betroffen ist, läuft Wasser ins Mauerwerk – und das wird mit jedem Winter teurer.
Prüfung 1: Bröselt die Fuge?
Streichen Sie mit dem Fingernagel oder einem stumpfen Schraubendreher über die Fuge. Gesundes Fugenmaterial fühlt sich fest an. Bröselt es, rieselt Sand heraus oder lässt sich der Mörtel eindrücken, ist die Fuge nicht mehr schlagregendicht.
Das ist das deutlichste Zeichen für Handlungsbedarf. Eine Fuge, die sich mit dem Fingernagel ausdrücken lässt, hält auch dem nächsten Frost nicht mehr stand.
Prüfung 2: Sitzt die Fuge noch tief genug?
Vergleichen Sie einzelne Fugen über die Fassade hinweg. Eine gesunde Fuge sitzt in gleichmäßiger Tiefe zwischen den Steinen. Sind Fugen stellenweise mehrere Millimeter tief ausgewaschen, kann Wasser dort stehen bleiben und in die Wand ziehen.
Typisch ist ein Muster: An der Wetterseite sind die Fugen tief ausgewaschen, an der geschützten Seite noch in Ordnung. Dann reicht es häufig, nur die betroffenen Flächen zu bearbeiten.
Prüfung 3: Feuchte, Ausblühungen, Grünbelag
Dunkle Feuchtränder, weißliche Ausblühungen oder ein Grünbelag, der nach dem Reinigen binnen eines Jahres zurückkommt – all das deutet darauf hin, dass Wasser in die Wand gelangt. Ausblühungen sind Salze, die mit dem Wasser an die Oberfläche transportiert werden.
Wichtig: Feuchtigkeit kann auch von unten oder über eine undichte Abdichtung kommen. Dann hilft Verfugen nicht, und wir sagen das auch so.
Prüfung 4: Risse und abplatzende Flanken
Feine Risse quer durch das Fugenbild oder abgeplatzte Fugenflanken sind ein fortgeschrittenes Stadium. Hier ist nicht nur die Fuge beschädigt, sondern bereits der Stein in Mitleidenschaft gezogen. Wer jetzt wartet, saniert später das Mauerwerk mit.
- Risse im Fugenbild – die Fuge arbeitet anders als der Stein, meist wegen eines unpassenden Mörtels
- Abplatzende Fugenflanken – Frostsprengung hat begonnen
- Hohle Stellen – beim Abklopfen klingt die Fuge dumpf statt hell
Was den Aufwand bestimmt
Wenn Sie Handlungsbedarf festgestellt haben, hängt der Aufwand an fünf Größen. Sie erklären auch, warum ein Quadratmeterpreis aus dem Internet wenig hilft.
| Faktor | Was er bewirkt |
|---|---|
| Fläche | Je größer die zusammenhängende Fläche, desto günstiger der Preis pro Quadratmeter – Rüstzeiten fallen nur einmal an. |
| Zustand der Fugen | Nur verwittert heißt schnelles Ausräumen. Hohl und ausgebrochen heißt ein Vielfaches an Vorarbeit. |
| Untergrund | Klinker, Kalksandstein, Sichtbeton und Putz brauchen unterschiedliche Mörtel und unterschiedliches Vorgehen. |
| Zugänglichkeit | Anbauten, Wintergärten, Dachschrägen und enge Grundstücke erhöhen den Gerüstaufwand deutlich. |
| Zeitpunkt | Verfugt wird nur bei trockenem Untergrund und ohne Frost. Passt das Wetter nicht, verschiebt sich der Termin. |
Wann Sie auf keinen Fall warten sollten
Es gibt drei Situationen, in denen Aufschieben teuer wird. Erstens: Fugenmaterial lässt sich mit dem Fingernagel ausdrücken. Zweitens: Es gibt sichtbare Feuchtespuren an der Innenseite der Außenwand. Drittens: Nach einem Frostwinter liegen plötzlich Steinsplitter unter der Fassade.
In all diesen Fällen ist Wasser schon im Mauerwerk. Je länger es dort bleibt, desto mehr Frost-Tau-Wechsel erlebt es – und jeder davon sprengt weiteres Material ab.
Was Sie selbst machen können
Einzelne Fugen lassen sich ausbessern. Dafür muss die schadhafte Fuge bis auf den tragfähigen Grund ausgeräumt, gereinigt und vorgenässt werden; anschließend wird mit passendem Mörtel verfüllt und verdichtet.
Sobald größere zusammenhängende Flächen betroffen sind, wird es schwierig: Der Mörtel muss zum Stein passen, die Fugen müssen in gleichmäßiger Tiefe sitzen, und nach dem Verfugen braucht die Fläche kontrolliertes Abtrocknen. Zu schnelles Austrocknen bei Sonne und Wind führt zu Rissen – das ist der häufigste Fehler bei Eigenleistung.
Häufige Fragen
Fragen zum Thema
Wie erkenne ich, ob meine Fugen noch in Ordnung sind?
Die zuverlässigste Prüfung ist der Fingernageltest: Lässt sich das Fugenmaterial eindrücken oder bröselt es heraus, ist die Fuge nicht mehr dicht. Zusätzlich auf gleichmäßige Tiefe achten und darauf, ob Feuchtränder oder Ausblühungen vorhanden sind.
Muss die ganze Fassade neu verfugt werden?
Nicht zwangsläufig. Oft sind nur die bewitterten Flächen betroffen. Wichtig ist ein sauberer Übergang zum Bestand – sonst sieht man später, wo gearbeitet wurde.
Was passiert, wenn ich gar nichts mache?
Wasser dringt weiter ein, gefriert im Winter und dehnt sich dabei um etwa neun Prozent aus. Diese Kraft sprengt nach und nach Fugenflanken und Steinoberflächen ab. Aus einer Fugensanierung wird dann eine Mauerwerkssanierung.
Kann ich die Fugen selbst ausbessern?
Einzelne Fugen ja. Bei größeren Flächen scheitert es meist an der Mörtelwahl, der gleichmäßigen Fugentiefe und der Nachbehandlung. Diese drei Punkte entscheiden über die Haltbarkeit.
Wann im Jahr sollte verfugt werden?
Bei trockenem Untergrund und ohne Frost – in der Praxis etwa von April bis Oktober. Bei Regen oder Frost wird der Termin verschoben, weil der Mörtel sonst nicht richtig abbinden kann.
Leistungen
Was wir dazu anbieten
Verfugen
Wir erneuern das Fugenbild fachgerecht, wählen den Mörtel passend zu Stein, Fugenbreite und Bewitterung und beraten Sie zur Fugenfarbe – mit Probefugen vor der Ausführung.
Altfugensanierung
Ausgebröselte Fugen sind der häufigste Weg für Regenwasser ins Mauerwerk.
Imprägnierung
Eine Imprägnierung lässt Regenwasser an Mauerwerk und Fugen abperlen, statt einzudringen.
Fassadenreinigung
Staub, Ruß, Algen und Moos setzen sich mit den Jahren fest.
Fassade unsicher? Wir schauen drauf
Rufen Sie an oder schicken Sie ein paar Fotos per WhatsApp – Sie bekommen eine ehrliche Einschätzung.